ausgeflickrt?

Mit ein wenig Belustigung musste ich gestern die Reaktionen auf Yahoos eindeutschung des Photoservice flickr beobachten. Denn wie sicherlich jeder jetzt mitbekommen haben sollte, hat Yahoo neben einer Übersetzung der Webseite auch gleich ein paar Anpassungen für den Deutschen Raum mit eingeführt. Eine davon ist die Zensur von Bildern. Denn ab sofort muss jedes Bild in eine gewisse Stufe eingestuft werden, um abgrenzen zu können, welche Bilder problemlos jedermann gezeigt werden kann. Sobald ein Bild als eingeschränkt eingestuft wurde, können andere User aus dem deutschsprachigen Raum diese nicht mehr sehen. Damit hat Yahoo höchstwahrscheinlich auf die deutsche Rechtslage reagiert.

Mit Einführung dieser Zensur wurden aber auch zugleich Stimmen laut, die einen dazu aufforderten seinen Flickr Account sofort zu löschen und seine Bilder bei einem anderen Dienst oder besser nur noch bei sich selbst zu veröffentlichen. Einfach nur um sich gegen die Zensur zu währen und irgendwo ein Druckmittel gegen den Dienst auszuüben. Erst recht weil dadurch auch so einige Kostenpflichtige Pro Accounts geschlossen werden würden, was natürlich zu gewissen Einnahmeeinbüßen bei Yahoo führen würde. Aber müssen wir uns da nicht ernsthaft fragen, ob Yahoo sowas wirklich stört? Sicherlich ist eine solche Reaktion der User nicht schön für Yahoo, erst recht weil das Image dadurch auch ein wenig leiden könnte. Aber im Endeffekt umgehen sie damit mögliche kostenintensive Gerichtsverfahren, die für das Unternehmen noch viel schlimmere Auswirkungen haben könnten (dazu näher später).

Zudem erinnert mich das ganze auch ein wenig an den Aufschrei der mal aufkam, als bekannt wurde, das Google zusammen mit der chinesischen Regierung arbeitet und gewisse Webseiten ausschließt und dadurch auch eine Zensur ausübt. Und wissen wir was Google bei uns im Deutschen Raum vielleicht heraus filtern? Nein! Und haben wir deswegen jetzt alle aufgehört das böse Google zu nutzen, bei dem wir fast jeden Tag neue Dinge herausfinden, die uns User nicht gefallen? Wohl kaum. Und werden wir jetzt aufhören Yahoo zu nutzen? Sicherlich auch nicht!

Am Ende war das ganze doch wieder nur ein laues Lüftchen. Großes Geschrei ohne viel nachzudenken. Manchmal habe ich auch das Gefühl, das viele User sich immer nur selbst und ihre eigenen Rechte sehen. Das sie aber weniger auch das sehen, das hinter dem was man tut aber auch immer eine Regierung mit gewissen Gesetzen (die Rechte und Pflichten mit sich bringen) steht. Und diese Gesetze müssen auch größere Firmen wie Yahoo und Google befolgen. Und auch wenn das Internet eine große, fast eigenständige Welt ist, so wird das Handeln im Netz immer noch lokal gesehen. Und wir alle Wissen irgendwo wie schnell es vorkommen kann, das man wegen den Inhalten im Netz verklagt werden kann. Und gerade als Betreiber von Webseiten, auf denen wildfremde Leute ihren Inhalt hinterlassen können, muss der Betreiber immer darauf aufpassen, was dort eigentlich veröffentlicht wird. Denn schließlich hat man hier in Deutschland ein gewisse Moderations Pflicht und kann für die Inhalte Fremder haftbar gemacht werden!

Also bitte liebe Internetuser, wenn ihr anfangt zu jammern und eure Unmut über das Kund tun wollt, was im Netz passiert, denkt auch hin und wieder darüber nach, warum sowas gemacht wird. Kurzschlußreaktionen bringen niemanden weiter! Und sicherlich hat auch Yahoo darüber nachgedacht ob sie ihre Zensur wirklich einführen und mit dem Widerstand leben können. Und irgendwas wird sie bewogen haben, das es doch richtig ist.